„Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern war Rio eine Charakterfigur. Ein Künstler mit Ecken und Kanten und einer der auch eine Message hatte. Diese Art Künstler sind heute relevanter denn je.“ 2016 hat er den Rio Reiser Songpreis gewonnen. Im Interview mit uns spricht Norbert Buchmacher über Inspirationen, Vorbilder und Konkurrenzkämpfe.

  • Du hast 2016 den Rio Reiser Songpreis gewonnen; was hat sich dadurch in Deiner Karriere verändert?

Genau genommen ging die „Karriere“ damit erst los. Mit dem Preisgeld war es endlich möglich die Aufnahmen für ein komplettes Album zu finanzieren. Es hat dann zwar noch eine Weile gedauert, bis das dann endlich erschienen ist, aber ohne das Preisgeld hätte es wesentlich länger gedauert!

  • Was hat dich damals bewegt, dich zu bewerben?

Ich habe mehr oder weniger zufällig von dem Preis erfahren und mal nachgelesen was die Kriterien sind. Als ich dann das damalige Thema gelesen habe, war mir klar, dass wir mitmachen müssen, weil wir einen Song hatten, der genau davon handelte.

  • Hast Du noch Kontakt zu Deinen Mitbewerbern?

Nein gar nicht. Wir hatten aber schon an dem Abend keinen Kontakt zu den anderen Bands. Keine Ahnung warum, aber irgendwie scheint der Funke nicht übergesprungen zu sein.

  • Inwiefern denkst Du, ist Rios Musik heute noch (oder wieder) relevant?

Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern war Rio eine Charakterfigur. Ein Künstler mit Ecken und Kanten und einer der auch eine Message hatte. Diese Art Künstler sind heute relevanter denn je.

  • Wie schreibt man einen richtig guten Song?

Ein guter Song sollte meines Erachtens immer „echt“ sein. Die Leute hören und spüren sowas. Da gibt es Gott sei Dank keine Anleitung dafür!

  • Was inspiriert Dich?

Das ist immer unterschiedlich. Mal was in der Welt geschieht und mal was in meiner Welt geschieht.

  • Wer ist Dein musikalisches Vorbild?

Das variiert täglich und ist meisten der Interpret den ich gerade höre. Tom Waits höre ich aber beispielweise öfter als andere. Dieser Umstand lässt wiederum den Rückschluss zu, dass er jedenfalls mal eines meiner musikalischen Vorbilder sein könnte.

  • Denkst Du, es ist für Musiker heute leichter, Gehör zu finden durch Foren wie YouTube etc, oder ist der Konkurrenzkampf dadurch auch viel größer?

Man hat jedenfalls die Möglichkeit sein Werk zu veröffentlichen. Das ist ja schon mal ein Vorteil, den man früher nicht hatte. Jedenfalls nicht mit dieser, wenn auch nur theoretischen Reichweite. Gleichzeit machen aber halt auch verdammt viele andere von dieser Möglichkeit Gebrauch und es wächst der Konkurrenzkampf. Trotzdem ist und bleibt es eine Chance. Keine Chance hat man nur dann, wenn man dort nicht vertreten ist, Du hast also eigentlich gar keine Wahl.

  • Was ist Dein Rat an junge Musiker, die sich für den Rio Reiser Songpreis 2020 bewerben?

Auf jeden Fall versuchen. Der Rio Reiser Songpreis ist einer der wenigen Preise, bei denen der Song an sich im Vordergrund steht und dieser von einer fähigen Jury bewertet wird. Der Song den wir damals eingeschickt haben, war weit davon entfernt perfekt produziert zu sein. Die Jury hatte aber genügend Vorstellungskraft um sich dennoch auf den Inhalt konzentrieren zu können.

Das Interview führte Cäcilie Möbius

„Gute Musiker sind und waren immer Propheten – Rio war einer. Seine Texte bewegen sich auf Ebenen, die relevant bleiben.“ Michael Rode vom Komitee für Unterhaltungskunst im Interview.

Wie seid Ihr entstanden, bzw woher kam die Idee, Rio zu covern?

Die  Idee hatte unser früherer Sänger Christian – vielleicht sogar schon ein kleines  bisschen 1988 in der Werner-Seelenbinder-Halle, als er Rio das erste Mal live sah und dabei sein musikalisches Herz verloren hatte. Er begann daraufhin selber Songs mit deutschen Texten zu schreiben. Der Erfolg blieb zwar aus, Christian wurde Schauspieler, aber das Rio-Herz blieb. So fragte er uns eines Tages, ob wir mit ihm zusammen eine Band gründen würden, die Rio und Scherben – Songs singt so wie sie gemeint waren und im Spirit eben jenes Konzertes in der Seelenbinder-Halle anno 1988. Tatsächlich fühlt es sich überhaupt nicht wie covern an, die Songs sind uns so nah, als wenn es inzwischen fast unsere wären…

Was macht für Euch Rio aus?

Wenn wir nur ein Wort frei hätten: Leidenschaft.  Das ist es was man in jedem Bereich bewundert, wonach man sich sehnt, was man auch so möchte. In der Musik, beim Texten, spielen, schwitzen, verzweifeln, sich freuen, himmelhoch schweben, im tiefsten Tal versinken. Leidenschaft ist immer gefährlich, ist immer schön, gerade im kreativen Bereich, aber Gefährlichkeit und Zerbrechlichkeit sind ja immer Merkmale der Leidenschaft und der Kreativität . Jeder wünscht sich doch, so zu leben – man übersieht aber meist die Tiefen, die das mit sich bringt. So zu leben erfordert Mut,  aber anders als so zu leben ist auch irgendwie unmöglich. Vielleicht sind das Erschaffen und Zerstören eine Art Schicksalsgemeinschaft  und sie gehören leider zusammen.

Ihr seid alle in verschiedenen Formationen unterwegs, gestaltet sich dadurch das gemeinsame Proben manchmal schwierig?

Wir proben nicht. Ehrlich! – Also, wenn wir ein neues Mitglied im KOMITEE begrüßen kann das schon mal vorkommen.  Sogar intensiv. Wir haben aber bemerkt, dass sich jeder von uns so gewissenhaft auf die Konzerte vorbereitet und musikalisch so fit ist, dass die kleinen Überraschungen, die das mitunter live mit sich bringt, uns sogar sehr willkommen sind und herausfordernd spielerisch eingearbeitet werden, das macht uns Spaß und hält alles lebendig.  Live halt.

Was war Eure lustigste/krasseste/beeindruckendste Konzert-Erfahrung?

Unser erstes Konzert war tatsächlich im Stadion. Ein Stadionkonzert als Premiere! Wer kann das schon von sich behaupten. Vielleicht hätten wir ja Chancen auf das Guinness-Buch …  aber das kam so:  unser Fußballverein FC St. Pauli war pleite und eine Idee war, dass es im Stadion ein sogenanntes „Retter“-Konzert geben sollte. Alle Bands spielen für lau (nix Neues) und die Einnahmen gehen an den Verein. So wurde eine Riesendoppelbühne gebaut und es spielten 10 Stunden lang Bands ohne Pause jeweils für eine halbe Stunde. Wir spielten auch und es war absolut herrlich, besonders für mich, der schon von klein auf zu den Spielen gegangen war und nun hörten die Spieler einem zu!  Es war zudem das lauteste KOMITEE-Konzert, wir sind so viel auf der Bühne herumgelaufen,  weil wir vor den brüllendlauten Monitoren weggelaufen sind – wir hatten Angst, dass uns das Trommelfell platzt.

Michael Rode

Was macht ein richtig tolles Konzert aus?

Wenn wir und das Publikum eins werden. Wenn es uns die Leidenschaft für Rios Songs abnimmt und eintaucht in die Musik und Texte, oft auch in die eigene Vergangenheit.  Wenn wir das lebendig machen, wie die Songs gemeint waren und das das Publikum mitnimmt. Das Tolle ist ja, dass es gar nicht retro ist, was und wie wir das machen, klar es ist Vergangenheit, es wird aber hier im Konzert zur Gegenwart.

Wieso ist Rios Musik heute noch relevant?

Siehe oben. Schaut euch doch die Gegenwart an! All das was gerade passiert. Gute Musiker sind und waren immer Propheten – Rio war einer.  Seine Texte bewegen sich auf Ebenen, die relevant bleiben, treffen Punkte, die nicht in einer Zeit verhaftet sind, obwohl sie die Zeit beschrieben haben.  Das ist Relevanz.  Unsere Erfahrung auf den Konzerten ist es, egal ob die Songs 30, 40 oder 50 Jahre alt sind, dass sich das Publikum wiederfindet.  Ereignisse von heute sich in diesen Songs immer noch spiegeln und dass daraus sogar Hoffnung entsteht.  Ein Türspalt mit Blick zu einem anderen Handeln, anderen Gedanken, neuem Mut.  Es kommen so viele Menschen nach Konzerten zu uns und erzählen uns, wie berührt sie davon sind, wie wir das machen. Und wie gut ihnen das getan hat.  Dafür macht man doch Musik! Aber danken dürfen wir vor allem Rio dafür, weil seine Musik dies immer noch bewirkt.

Wann und wo werden wir Euch als nächstes sehen?

Dort wo ihr uns einladet.  Man weiß zwar noch nicht, wann es wieder Veranstaltungen geben wird, die das Wort Konzert verdienen. Aber ladet uns prophylaktisch schon einmal ein, dann machen wir genau das, was wir hier im Interview beschrieben haben.  Und das mit Leidenschaft.

Das Interview führte Cäcilie Möbius

Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa über Rio Reiser

Klaus Lederer beschreibt im RIO REISER TV seine Begegnung mit Rio Reiser und welche Bedeutung Rio Reiser für ihn persönlich und für die heutige Zeit hat. Vielen Dank an Klaus Lederer und Cäcilie Möbius. Mitgewirkt haben Cäcilie Möbius, Gunnar Solka, Benni Gesing, Felix Kusser, Julika Matthess. Viel Spass beim Ansehen!

70 Jahre Rio Reiser: Video-Interview mit Sibyll Möbius | Kostümbildnerin und Rios Schwägerin

Sie arbeitete an verschiedenen Theater- und Musiktheaterprojekten mit Rio Reiser und seinem Bruder Peter Möbius zusammen. Das Interview führt ihre Tochter Cäcilie Möbius. Sibyll Möbius spricht über ihre Begegnungen mit Rio Reiser und die Arbeit mit ihm. Großer Dank für die Realisierung des Videos geht an an Sibyll Möbius, Cäcilie Möbius, Gunnar Solka, Benni Gesing, Felix Kusser und Julika Matthess.

RIO REISER SONGPREIS auf August 2021 verschoben

Pressemitteilung

 
Kultur- und Kommunikationszentrum Lindenbrauerei e.V.
Rio-Reiser-Weg 1
59423 Unna

RIO REISER SONGPREIS auf August 2021 verschoben

Der Rio Reiser Songpreis 2020 wird aufgrund der Pandemie auf den August 2021 verschoben. Die Gesundheit von Künstlern und Publikum hat für das Rio Reiser Songpreis Team absoluten Vorrang. Die Veranstaltung am 15. August 2020 fällt somit aus. Deutschsprachige Musiker*innen, unabhängig von Nation und kultureller Herkunft, die noch nicht unter Vertrag eines Vertriebs bzw. eines Produzenten stehen, können sich allerdings weiterhin um diesen Preis bewerben.

Der Einsendeschluss wird bis zum 31.12.2020 verlängert und alle bisherigen Einsendungen behalten ihre Gültigkeit.

Das Jahr 2020 ist ein besonderes Jubiläumsjahr: Rio Reiser würde 70 Jahre alt und seine Band Ton Steine Scherben feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum werden wir dann verspätet im Jahr 2021 feiern.

Den Preis gibt es seit 1998. Der Preisträger des RIO REISER SONGPREISES wird von einer Fachjury ermittelt, die sich aus Künstler*innen, Musikproduzent*innen, Musikredakteur*innen und Vertretern der Veranstalter zusammensetzt. Wie bei früheren Auslobungen gibt es auch für den RIO REISER SONGPREIS ein Motto, ein Thema. Es soll die Fantasie und Kreativität der Wettbewerbsteilnehmer nicht einschränken, sondern ist als Inspiration gedacht.

Der RIO REISER SONGPREIS wird 2021 zum vierten Mal wieder vom Kulturzentrum Lindenbrauerei Unna in Kooperation mit dem Rio-Reiser-Haus e.V. ausgelobt.

Der RIO REISER SONGPREIS 2021 ist dotiert mit 5000 €.

Bewerbung:
Wer sich am RIO REISER SONGPREIS beteiligen will, schickt seinen Beitrag (einen Song, keine Cover-Version) per E-Mail an rioreiserpreis@gmail.com  
Bitte als MP3-Datei (bitte auch zusätzlich zu MP3 als eine FLAC-, WAV-, ALAC- oder AIFF-Datei, wenn vorhanden) mit folgenden Infos: (Band)Name, Songtitel, Mail-Adresse, Telefonnummer und Songtext.

Songpreismotto 2021:


WANN?

Du sagst du willst die Welt nicht ändern und ich frag mich wie machst du das nur
Du bist doch kein Geist in‘ner Flasche und du bist auch kein Loch in der Natur

Denn nach jedem Schritt den du gehst und nach jedem Wort das du sagst

Und nach jedem Bissen den du isst ist die Welt anders als sie vorher war

Wann – wenn nicht jetzt

Wo – wenn nicht hier

Wie – wenn ohne Liebe

Wer – wenn nicht wir

Du sagst du willst die Welt nicht retten das ist dir alles ´ne Nummer zu gross

Und die Weltenretter war’n schon so oft da nur die meisten verschlimmbessern bloss

Und doch frag mich jeder neue Tag auf welcher Seite ich steh

Und ich schaff’s einfach nicht einfach zuzusehen wie alles den Bach runtergeht

Wann – wenn nicht jetzt

Wo – wenn nicht hier

Wie – wenn ohne Liebe

Wer – wenn nicht wir

Du sagst du willst die Welt nicht ändern dann tun’s andere für dich

Und der Wald in dem du vor Jahren noch gespielt hast hat plötzlich ein steinernes Gesicht

Und die Wiese auf der du gerade noch liegst ist morgen `ne Autobahn

Und wenn du jemals wieder zurückkommst fängt alles von vorne an

Wann – wenn nicht jetzt

Wo – wenn nicht hier

Wie – wenn ohne Liebe

Wer – wenn nicht wir

Text & Musik:  Rio Reiser

Hintergrundinformationen:

KEINE MACHT FÜR NIEMAND AUCH NICHT FÜR DEN TOD
Der RIO REISER SONGPREIS und seine Geschichte

Nach Rio Reisers plötzlichem Tod 1996  haben seine Angehörigen, Freunde und Weggefährten noch im gleichen Jahr den „Rio Reiser-Haus e. V.“ gegründet.
Vorrangiges Vereinsziel war es, das Anwesen Fresenhagen 11 als Veranstaltungsort und Gästehaus zu erhalten. Auf dem Gehöft zwischen Flensburg und Leck, nahe der dänischen Grenze hatte das Künstlerkollektiv TON STEINE SCHERBEN gelebt und nach Auflösung der Band 1985 war Fresenhagen das Zaunkönigreich des „Königs von Deutschland“. Rio Reiser (bürgerlich Ralph Möbius) am 9. Januar 1950 in Berlin geboren, starb hier nach sechsundvierzig Lebensjahren am 20. August 1996. Hier wurde er auch begraben. Pastor Alfred Buß aus Unna leitete in der Kirche der nordfriesischen Gemeinde Leck den Aussegnungsgottesdienst. Unvergesslich für alle Trauernden, seine Worte: „Keine Macht für Niemand, auch nicht für den Tod!“ 

Auf seiner zweiten Mitgliederversammlung am 9.1.1997 in Fresenhagen, beschloss der Verein die Auslobung des RIO REISER SONGPREIS. Auf ihren Tourneen im deutschsprachigen Raum (Auftritte von Ton Steine Scherben  gab es auch in der Schweiz und in Österreich)  trafen Rio und die Scherben immer wieder junge, hochbegabte Rockmusiker, die sich – ob poetisch oder politisch, ob in Hochdeutsch oder im Dialekt ihrer Region – vergeblich darum bemühten, mit ihren Songs und Liedern über den lokalen Erfolg hinaus Beachtung und Aufmerksamkeit zu finden.

Der Rio Reiser Songpreis, der solchen jungen, unbekannten songschreibenden Musikern, Sängerinnen und Sängern eine Hervorhebung ihrer Leistungen verschaffen sollte, wurde zum ersten Mal im August 1998 im Berliner Tempodrom (damals noch ein Zirkuszelt) vergeben. Finanziell war diese Veranstaltung nur möglich geworden, weil alle Künstlerinnen und Künstler, die sich am 1. September 1996 am Konzert „Abschied von Rio“ im Tempodrom beteiligt hatten, den Erlös aus dem Verkauf der CD „Abschied von Rio – Das Konzert der Freunde“ dem Rio Reiser-Haus e.V. gespendet hatten. Das Preisgeld und die Songpreiskrone gewann – gekürt vom Publikum – die Gruppe ALLIANZ mit der zahlenstärksten Lobby im Publikum. Publikumsentscheide, wie bei dieser Songpreisvergabe sollte es danach nicht mehr geben.

Nach Klärung der Eigentumsverhältnisse im Milleniumsjahr 2000 konnte der Rio Reiser-Haus e.V. in Fresenhagen nicht nur alljährlich im August das Rio Reiser Festival veranstalten, sondern auch mit Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen, zur kulturellen Bereicherung des Landkreises Nordfriesland beitragen. Finanziert wurde dieser Kulturbetrieb durch Einnahmen aus Übernachtungen im Gästehaus, Vermietung an örtliche Vereine wie „Friisk Forinnning“, durch Spenden, Mitgliederbeiträge, viele unentgoltene Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder, und nicht zu-letzt durch Rio selbst: die Einnahmen aus GEMA & Lizenzen haben ganz wesentlich den Kulturbetrieb des Rio Reiser Hauses mitfinanziert. Unterstützung aus öffentlichen Mitteln des Kreises und des Landes Schleswig Hol-stein gab es dafür nicht. Eine Ausnahme machte die Bundesanstalt für politische Bildung. Die bpb förderte den Rio Reiser-Songpreis nicht nur finanziell, sondern sorgte auch dafür, dass die Auslobung des Preises bundesweit in Schulen und Jugendmusikschulen bekannt gemacht wurde.

2001 wurde der Rio Reiser Songpreis auf dem Rio Reiser Festival in Fresenhagen an “DIE ELENDEN“ vergeben. War das Votum der Juroren für diese Band aus dem Osten eindeutig, mussten sich zwei Jahre später drei Bewerber den Preis teilen. Sowohl für den eingesandten Song von
WERNER BETTGE, als auch für die der Bands SPNX und JULI hatten alle Juroren stimmgleich votiert. War das Rio Reiser Festival 2003 noch eine Oper-Air Veranstaltung, spielten sich Festival und Preisvergabe 2006 dann bereits in Winnetous Garagen ab, ein zur Veranstaltungshalle umgebautes Stallgebäude. Das Preisgeld und die Preistrophäe, ein Leuchtturm, bekam JOHANNA ZEUL.

Künstlerisch hochwertiger als der Leuchtturm war dann 2014 die Preistrophäe, die KRAUS nach Hamburg mitnehmen konnte, eine fantasievoll gestaltete Plastik aus dem Atelier NOVO-ART in Unna, dort auf Unnas Platz der Kulturen, zu dem man auf dem Rio Reiser-Weg gelangt, findet seit 2012 alljährlich im August das Rio Reiser-Festival statt.

Den RIO REISER-SONGPREIS 2016 bekam NORBERT BUCHMACHER aus Günzburg.
Die von der Lindenbrauerei ausgelobten Regionalpreise im Songwettbewerb gewannen MAX IM PARKHAUS (2014) und KAISER FRANZ (2016) und DIE NOWAK (2018).

„Da war ne Kraft, und ne Magie“ Jan Preuß im Interview über Rio Reiser

Jan Preuß ist Sänger und Texter aus Fürstenwalde. Neben seiner eigenen Musik tritt er auch regelmäßig mit Rio-Abenden auf. Zu Rios 70. Geburtstag stand er gemeinsam mit Funky K. Götzner, Steffen Rose und Sonny Thet in der Wabe in Berlin auf der Bühne. Zwei Tage später gestalteten sie ein Gedenkkonzert zu Ehren Rios in der Kapelle des Alten Matthäuskirchhofs, auf dem sich Rios Grab befindet. Im Interview erzählt Jan uns von seiner Beziehung zu Rio.

Wann hast Du angefangen, zu singen und was hat Dich zur Musik geführt?

Ich weiß das gar nicht so genau. Die Liebe zur Musik war eigentlich immer schon da, schon als Kind. In der Schulzeit gründete ich mit Freunden ne Band, ohne dass auch nur einer richtig ein Instrument spielen konnte. Ich wollte Drummer sein. Das war nur viel schwerer als ich damals dachte. Der Sänger dagegen war zwar bemüht, aber es war auch „schwierig“. Ich hab ihn dann immer ziemlich genervt in dem ich häufig korrigiert hab. Irgendwann sagte er „Mach doch selber…“ drückte mir das Mikro in die Hand und verließ den Proberaum. Tja, und seit dem sing ich.

Wie bist Du darauf gekommen, Rio-Songs zu covern?

Als ich das erste mal die Scherben hörte, hat sich mein Leben komplett verändert.
Da war ne Kraft, und ne Magie – unfassbar. Unerklärlich war mir damals, dass man so was nicht im Radio hört. Viele meiner Freunde kannten das gar nicht.
Ich habe immer alle damit genervt, wollte dass Jeder diese Musik kennt. Ich glaub das war der Grund, dass dann später auch in fast all meinen Projekten, während der Konzerte, ein oder zwei Scherben- und später auch Riosongs gespielt wurden.
Irgendwann haben die Leute drauf gewartet, dann haben wir uns manchmal n Spaß draus gemacht, eher unbekannte Sachen zu spielen. Zum Beispiel „S´ ist eben so“ oder „Alles ist richtig“ von der Schwarzen. Anschließend wurden wir gefragt, warum wir denn heute nix von den Scherben gemacht haben…
Als Rio 1996 gestorben ist, kam meine Band auf mich zu, sie wussten dass mir das sehr nahe ging, und fragten, ob wir nicht so was wie´n Gedenkkonzert machen wollen. Das haben wir dann auch getan. Es war dann das erste mal, das ich den ganzen Abend Rio gesungen habe. Tat unheimlich gut… Wir traten damit gleich zwei Abende hintereinander auf, dann war aber Schluss. Es war nie der Plan ne Coverband zu sein.
Erst viel später, als die Blackbox rauskam, da dachte ich, so viel ungehörtes Material, das ist ein Konzertabend wert. Also suchte ich, mit meinem Pianisten Steffen Rose, nach geeigneten Songs, die wir seitdem im Programm: RIO AM PIANO „DAS ALLES UND NOCH VIEL MEHR…“ live aufführen.

Was war Deine erste Begegnung mit Rios Musik?

Das war in den Achtzigern. Bei einem Konzert der Band FREYGANG in Ketzin tauchte überall der Name TON STEINE SCHERBEN auf. Auf den Klamotten gemalt, und mit Kreide ganz groß auf einer Mauer (Ostgraffiti) geschrieben. Die Band spielte auch Scherbensongs im Programm, was ich aber erst hinterher mitbekam. Auf meine Frage hin, was denn dieses TON STEINE SCHERBEN zu bedeuten hat, schenkte mir ein Freund eine Kassette: „Scherben IV – Die Schwarze“. Die Tonqualität war extrem schlecht. Es war wenig zu verstehen. Die Texte sowieso sehr kryptisch – fand ich… Aber es war dennoch Liebe, Zauber und extrem süchtig machend.

Wodurch zeichnet sich ein richtig tolles Konzert als Zuschauer respektive als Künstler aus?

Ach, dass kann ganz unterschiedlich sein. Wenn die Band es schafft dich zum Tanzen und Mitsingen zu bringen ist das toll, wenn sie dich zum Zuhören und Innehalten bringen aber eben auch. Man möchte als Zuhörer und als Künstler magische Momente erleben, wenn das gelingt, dann ist Publikum und Band auf einmal eins und das ist dann quasi der Hauptgewinn.

Warum, denkst Du, ist Rios Musik auch heute noch relevant?

Ich glaub, es ist die Echtheit in den Texten zum Einen, aber vor Allem wie Rio gesungen hat. Ich habe immer das Gefühl, dass es um Alles geht. Egal ob es ein politischer „Haudraufsong“ ist oder ein zartes Liebeslied. Das fehlt heute komplett. Das gab es aber immer nur ganz selten. Bei, zum Beispiel, Edith Piaf habe ich ein ähnliches Gefühl. Es wäre schön, wenn sich die jungen Künstler ein wenig daran orientieren könnten.

Du warst einige Male zum Rio Reiser Fest in Fresenhagen; wie hast Du die Atmosphäre dort erlebt und was sind Deine Erinnerungen daran?

Ja das stimmt, ich war dreimal dort zum Riofest. Beim letzten Mal durfte ich mit meiner Band „Jan Preuß & die Geheime Gesellschaft“ dort auftreten. Das war das letzte Riofest dort und für mich war es auch das letzte Mal, dass ich in einem Zelt geschlafen hab. Es war immer sehr schön, all die Rio/Scherbenfans zu treffen, kennen zu lernen und in angenehmster Atmosphäre, fern ab vom Schuss, tolle Künstler und ihre Musik, live zu erleben. Besonders gern erinnere ich mich an das Konzert mit TempEau, Johanna Zeul fand ich super, und auch Gymmick zum Beispiel. Aber da gab´s noch viel mehr…

Am Anfang waren da viele „Originale“ vor Ort, einige davon leben gar nicht mehr.

Ich denke an Britta Neander, Jako Benz und natürlich auch an Rios Mutter.
Schön war es dort auch, wenn grad kein Fest stattfand. Einmal haben wir dort ne Woche Urlaub gemacht. Das war wirklich schön, mit Kind und Hund. Wir wurden dort sehr herzlich von Jan Bajen bewirtet, er hat uns jeden Tag ein Ei gekocht, sogar auch für unseren kleinen Hund Charly. Abends saßen wir zusammen und haben Karten gespielt. Die Zimmer wurden alle nach Rios Liedern benannt. Wir haben, wenn ich mich recht erinnere, im „Sternchen“ übernachtet. Manchmal bin ich auf die Wiese hinterm Haus gewesen, während Charly alles beschnupperte hab ich mir versucht vorzustellen, wie das hier wohl früher, als es noch die Scherben gab, so war..

Wer sind Deine musikalischen Vorbilder?

Ach, ich weiß nicht. Das läuft, wenn – dann unbewusst ab. Beeinflusst bin ich wohl von vielen Musiken verschiedenster Genre. Und zwar sowohl positiv, als auch anders…

Im Moment ist die Frage „wo werden wir Dich als nächstes sehen?“ ja wegen der Corona-Krise obsolet. Also zum Abschluss: was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Also ich wünsche mir erstmal, dass wir ne Zukunft haben. Grad jetzt wird es ja mal wieder sehr deutlich, wie unsicher das alles ist. Aber ich bin jetzt nicht der Pessimist. Natürlich gehe ich im Moment davon aus, das alles gut wird. Vielleicht lernen wir mal was draus. Das wäre was…
Wie wunderbar wäre es doch, wenn wir es uns einfach alle ein bisschen schön machen. Einfach so das Leben leben. Ohne Gier nach mehr Geld und Macht und/oder Ruhm und so weiter. Ohne Krieg, ohne überflüssiges Plastik, ohne Hast, ohne TV-Verblödung und so weiter. Dafür mit Genuss, frischer Luft , Zeit, Liebe und guter Musik.
Ach ja, wenn ihr wissen wollt, wie und wann es musikalisch bei uns weitergeht, wir halten euch hier: www.janpreuss.jimdofree.com gern auf dem Laufenden.

Das Interview führte Cäcilie Möbius.

Fotos: Patricia Heidrich

Die Nowak im Interview – Rio Reiser Songpreis

Im August 2018 hat Die Nowak den Rio Reiser Songpreis gewonnen. Im Interview mit uns erzählt sie, was das für ihre Karriere bedeutet hat, was Nachwuchstalente beachten sollten und warum Rios Musik weiterhin wichtig ist. Und sie präsentiert eigene Songs und eine tolle Coverversion von Rios „Der Traum ist aus“. Was meint Ihr, ist Rios Musik weiterhin relevant?
Hört Euch die wunderbaren Songs von Die Nowak an und abonniert ihren Kanal. Danke für das tolle Interview!

„In Rios handgemachter Musik schwingt ein großes Herz“: Johanna Zeul im Interview

Du hast 2006 den Rio Reiser Songpreis gewonnen; was hat sich dadurch in Deiner Karriere verändert?

Die Süddeutsche Zeitung schrieb über mich, obwohl ich komplett unbekannt war. Daraufhin haben sich viele Plattenfirmen und Verlage bei mir gemeldet. Es folgte ein Plattenvertrag mit Four Music, mit dem ich mein erstes Album aufnehmen konnte und ein gutes Jahr später, als mich die Plattenfirma wegen Umstrukturierungen auf Grund der Wirtschaftskrise, wieder los werden wollte, konnte ich mit einer Abfindung mein eigenes Label Gründen und eine Promoterin bezahlen. Die Welle meiner Bekanntheit dadurch schwang etwa drei, vier Jahre lang nach.

Was hat dich damals bewegt, dich zu bewerben?

Ein Freund hat mir davon erzählt. Er meinte, ich würde perfekt rein passen. Ich hatte gerade ein paar Demo-Songs aufgenommen, darunter „Hallo Leben“, was zufälligerweise perfekt zum Thema 2006 „Ich leb doch“ passte.

Hast Du noch Kontakt zu Deinen Mitbewerbern?

Zu Gymmick habe ich einen guten Draht, jedoch wenig Kontakt. Habe ihn neulich nach 13 Jahren wieder gesehen.

Inwiefern denkst Du, ist Rios Musik heute noch (oder wieder) relevant?

Rios Musik ist unverblümt. Ehrlich und kritisch, kommt direkt von Herzen und ist auch poetisch. Rio war mutig und seine Lieder bringen vieles auf den Punkt. Heutzutage sprechen in Deutschland wenig populäre Künstler gesellschaftliche und politische Probleme so konkret und einfach aus. Rio Reiser ist mit seiner Leidenschaft und Kraft immer noch ganz weit oben was die offene Aussprache von Ungerechtigkeiten angeht. In Rios handgemachter Musik schwingt ein großes Herz. Heutzutage klingt populäre Musik meistens sehr klinisch und kalkuliert. Es muss unbedingt wieder populäre handgemachte Musik geben, die schwingt.

Wie schreibt man einen richtig guten Song?

Höre Deiner Seele zu. Hör ganz genau hin und schreib das, was Dir erzählt wird, auf. Nimm ein Instrument und lass Deine Seele sprechen.

Was inspiriert Dich?

Die Bühne, das Publikum, mein Klavier, mit gute Musikern zu spielen, guten Musikern zuhören/zusehen. Sport, Tanz. In der Natur spazieren gehen, gute Gespräche, Menschen im Alltag zuhören/zusehen. Kinder.

Wer ist Dein musikalisches Vorbild?

John Lennon, Dave Brubeck, Little Richard..

Denkst Du, es ist für Musiker heute leichter, Gehör zu finden durch Foren wie YouTube etc, oder ist der Konkurrenzkampf dadurch auch viel größer?

Es ist nicht wirklich leichter, nicht wenn man ein großes Publikum erreichen will, ausserhalb des schon vorhandenen Social Network Kreises. Man muss das Video gut platzieren und promoten, was normalerweise Geld kostet. Im Internet sehe ich persönlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Was ist Dein Rat an junge Musiker, die sich für den Rio Reiser Songpreis 2020 bewerben? 

Schreibt tolle und vielseitige Songs. Überrascht Eure Zuhörer. Holt die Leute aus ihrer Lethargie, unterhaltet Euer Publikum. Seid selbstkritisch in Eurer Arbeit (versucht mindestens so gut wie Eure Vorbilder zu sein) und gebt nicht gleich auf, wenn es mal nicht so läuft. Beschränkt Euch nicht nur auf´s Musik machen. Lebt auch Eure anderen Talente aus, kombiniert sie mit Eurer Musik und Performance. Verlasst Euch nicht auf Leute, die Euch irgendwas versprechen. Arbeitet fleissig an Eurer Kunst und an Euerm Selbstmanagement/Booking. Sucht Euch Hilfe bei Leuten, die nicht nur kommerziell denken, wenn Ihr Euch überfordert fühlt. Wählt mutige, charakterstarke Partner, die Euch und Eure Kunst wirklich lieben und mit Euch durch Dick und Dünn gehen! Tut Euch zusammen und helft Euch gegenseitig. Neid und Ellenbogenkampf ist völlig aus der Mode. Backt erstmal kleine Brötchen und baut Euch Eure Zuhörerschaft langsam aber sicher auf. Eure gute Idee ist die Quelle. Findet einen Weg diese gute Idee so einfach wie möglich und ohne große Kosten umzusetzen, und es wird funktionieren.

Vielen Dank für das Interview!


Über Johanna Zeul

Die deutsche Sängerin und Liedermacherin Johanna Zeul gewann 2006 den Rio Reiser Songpreis. Johanna ist Artist For Future und kooperiert mit Fridays For Future und Greenpeace. Sie gibt seit 1996 Konzerte, seit 2001 auch mit der Band Rotagila, die im Jahr 2003 in Johanna Zeul Band umbenannt wurde. Von 2003 bis Sommer 2006 studierte Johanna Zeul „Popmusikdesign“ an der Popakademie Baden-Württemberg. Sie komponierte die Musik für „Max und Moritz“ (ein Musiktheaterstück für Erwachsene), das am 6. Januar 2007 am Nationaltheater Mannheim Premiere hatte. Im April 2008 gründete Johanna Zeul mit Martin Goldenbaum das Label Gold und Tier. Im Juni 2008 erschien Johanna Zeuls Debüt-Album Album No1 auf dem Label Gold und Tier. Das darauf enthaltene Lied Ich will was Neues belegte im März und April 2009 jeweils Platz 10 der Liederbestenliste. Im Januar 2011 kam eine gemeinsame Tochter mit ihrem Lebenspartner Frank Benz, Schauspieler am Theater Magdeburg, zur Welt. Am 12. Februar 2012 nahm sie am Finale des Protestsongcontests im Wiener Rabenhoftheater teil und belegte dort mit ihrem Lied Ich will was Neues den 4. Platz. Als Vertreterin des Landes Sachsen-Anhalt nahm Johanna Zeul mit dem Song Sandmann am 28. September 2012 am Bundesvision Song Contest 2012 in Berlin teil und erreichte den 15. Platz.

Quelle: Wikipedia

Die Band M.I.N.A. über Rio Reiser, Musikgeschichte und weiße Mäuse

Im August 2018 hat die Band M.I.N.A. den Regionalpreis des Rio Reiser Songpreis gewonnen. M.I.N.A. – das sind Tobi, Simon und Laura aus Iserlohn. Wir haben die Band für Euch interviewt.

Tobi, Laura und Simon sind M.I.N.A. aus Iserlohn

Ihr habt 2018 den Regionalpreis des Rio Reiser Songpreis gewonnen; wie war das für euch?

Den Rio Reiser Songpreis zu gewinnen war für uns eine große Ehre. Bereits im Vorfeld haben wir uns darüber gefreut in die engere Auswahl gekommen zu sein, aber mit dem ersten Platz haben wir wirklich nicht gerechnet. Umso größer war natürlich unsere Freude.

Warum habt Ihr Euch beworben und nach welchen Kriterien habt ihr den Song ausgesucht, mit dem ihr euch beworben habt?

Der Rio Reiser Songpreis ist eine gute Plattform um mit anderen Musikern in Kontakt zu treten und vom Publikum gehört zu werden. Als Musiker genießen wir es live zu spielen und Menschen an unserer Freude für die Musik teilhaben zu lassen.

Zu unserem Song „Fundament“ wurden wir inspiriert durch Rio Reisers Lied „Willkommen“, welches das Motto zum Songpreis 2018 darstellte. „Fundament“ handelt davon, alles bis auf das Fundament nieder zu reißen um nochmal von vorne zu beginnen.

Wie ist euer Prozess beim Schreiben/Komponieren? Macht ihr das im Kollektiv oder jeder einzeln und ihr bringt es dann zusammen?

Jeder von uns bringt Ideen mit ein. Zunächst ist dies immer ein Text oder eine Melodie, die bei einem Einzelnen im Kopf entsteht. Diese Ideen bringen wir dann im Proberaum zusammen und arbeiten daran. Das Songwriting ist für uns ein kreativer Prozess, an dem jeder teilhaben sollte um sich am Ende auch mit dem Song identifizieren zu können.

Was sind eure Ziele als Band?

Unser Ziel mit M.I.N.A. ist es natürlich reich und berühmt zu werden und die großen Bühnen dieser Welt zu erobern… HAHAHA nein quatsch das ist natürlich ein Scherz. Wir möchten einfach Spaß an der Musik haben und das unserem Publikum auch vermitteln. Musik ist für uns eine Leidenschaft. Wir würden gerne viele Menschen mit unserer Musik und unseren Texten erreichen und freuen uns über jeden Live Auftritt den wir spielen dürfen.

Wie erlebt ihr den Markt als deutschsprachige Band?

Der heutige Musikmarkt ist wie eine gemischte Tüte am Kiosk. Da sind von Gummibärchen über Lakritz hin zu weißen Mäusen alles drin. Und diese ganzen Unterschiede zwischen den Musikern und Bands macht das ganze doch erst Interessant.

Was ist eure Verbindung zu Rio?

Mit Rios Musik sind wir aufgewachsen. Er selbst hat uns Ohrwürmer wie „König von Deutschland“ verpasst, aber auch durch Coverversionen wie „Junimond“ von Echt war er zu unseren Jugendzeit überall präsent.

Sind Rios Lieder weiterhin (oder wieder) aktuell?

Rio hat die deutsche Musikgeschichte und eine gesamte Generation ganz klar mit geprägt. Seine Lieder sind nie verschwunden und waren in unseren Augen… und Ohren natürlich immer aktuell.

Soll Musik politisch sein?

Musik darf alles sein, kann alles sein und muss gar nichts sein. Wichtig ist, dass Musiker ihre Botschaft dem Publikum übermitteln und wenn diese Botschaft politisch ist, dann ist das doch ok.

Was empfehlt ihr den Bewerbern für den Rio Reiser Songpreis 2020?

Habt Spaß, genießt euren Auftritt und reißt das Publikum mit in eure musikalische Welt. Seht die anderen Musiker nicht als Konkurrenz, sondern verbringt einen tollen Abend miteinander und tauscht euch aus.

Wo werden wir euch als nächstes sehen und hören?

Das nächste mal M.I.N.A. gibt es am 21.März beim Crossing Over Bandcontest im Saalbau Letmathe, dort würde uns als Gewinn ein Auftritt bei Barendorf-Rock in Iserlohn erwarten. Also falls ihr Lust habt, uns an diesem Abend zu unterstützen, anzufeuern und mit uns zu feiern, könnt ihr Karten bei uns über Facebook (Mina Band) oder www.Mina-Band.de bekommen. Wir freuen uns auf euch.

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Cäcilie Möbius.

Interview: Philip Butz spielt Rio Reiser im Musical „Mein Name ist Mensch“

Philip Butz. Foto: Volker Beushausen

Im Herbst 2019 war Philip Butz als Rio Reiser im Musical ”Mein Name ist Mensch“ von Frank Leo Schröder und Gert C. Möbius in der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater zu sehen; im Juni 2020 wird die Produktion wieder aufgenommen. Cäcilie Möbius hat Philip für euch interviewt und zu seinen Erfahrungen als Rio befragt.

Du hast Rio Reiser in der Inszenierung von „Mein Name ist Mensch“ im Schillertheater gespielt und wirst die Rolle im Sommer erneut übernehmen. Was war dein erster Gedanke, als du erfahren hast, dass du Rio spielen wirst?

Das war ein ganz heißer Frühsommertag in Basel, als der Anruf aus Berlin kam. Ich stand gerade schwitzend in einer Bibliothek, in der man eigentlich still vor sich hinarbeitet. Da ich die Telefonnummer nicht kannte nahm ich trotzdem ab und es kam nach dem Auflegen ein ganz schräger halbstummer Jubel aus mir heraus. Da ist dann mehr so ein Gefühlscocktail, als ein erster klarer Gedanke. Später war da natürlich auch eine gehörige Portion Respekt, aber die Euphorie war größer.

Leidenschaftlich: Philip Butz als Rio Reiser. (Links: Paul Tetzlaff, Fabian Hentschel, Hans Gurbig, Frédéric Brossier; Oben: Katrin Hauptmann)
Foto: Franziska Strauss

Wie hast du dir Rio Reiser erarbeitet? Hast du Videos geschaut, seine Körperhaltung studiert etc?

Ja, auch das habe ich getan. Aus seiner Körperlichkeit lässt sich tatsächlich für mich viel ablesen. Er hat so ein paar ganz markante Bewegungsabläufe. Seine Art sich zur Musik zu bewegen, lässt erahnen wie sehr er sich darin verlieren oder auch wiederfinden konnte. Das wirkt schon fast meditativ, wenn er auf Zehenspitzen und mit geschlossenen Augen, scheinbar fernab von Raum und Zeit, sich voll der Musik hingibt. Ich habe auch stark den Eindruck, dass er nie vergessen hat, woher seine Texte kamen. Da hört man nicht heraus, wie oft man wohl schon einen Titel gespielt hat. Und er hatte irgendwie das Talent total für sich im Moment zu sein und gleichzeitig aber auch über die Rampe zu kommen, sprich den Zuschauer oder Zuhörer anzusprechen und mitzunehmen. Im Endeffekt habe ich recherchiert, mich vor allem hineingesungen und immer wieder versucht mir die richtigen Fragen zu stellen.

Als jemand, der Rio nicht gekannt aber auf der Bühne gespielt hat, wie würdest du ihn in wenigen Worten charakterisieren?

Das Schöne an ihm ist, dass das eben nicht so leicht geht. Ich habe Notizzettel auf denen dann so Schlagworte wie Rebellion, Liebe, Aufbruch, Wut, Einsamkeit usw. geschrieben steht. Das war natürlich schon hilfreich, aber das beschreibt eben immer nur ein paar Merkmale, einige Farben, sodass man eben nicht bei ihm ankommt, wenn man das eins zu eins übertragen will – „Dann spiel ich den halt aggressiv, aufbrausend und irgendwie einsam, vielleicht weil schwul.“ Das klappt so aber nicht. Was mir an ihm besonders gefällt ist, dass er einem dann immer entwischt. Die Aussagen waren politisch, aber er wollte sich auch von Niemandem instrumentalisieren lassen. Er war schwul, wenn es aber keiner wahrhaben wollte, dann wurde es eben kaum wahrgenommen. Er war bibelfest, aber auch seinen Glauben machte er nicht zum zentralen Thema. Absolut ein Poet, aber ohne Ambitionen, oder den Anspruch als Intelektueller wahrgenommen werden zu wollen. Ein Typ für die Großstadt, aber ihn zieht es letztlich aufs Land. Eine einsame Seele, aber immer unter Leuten. Er hat keine Fahnen zugelassen, auf die man etwas dick und fett hätte schreiben können. Deswegen lässt er einen nicht los. Das ist alles spannend.

Wie hast du die Probenzeit zu „Mein Name ist Mensch“ erlebt?

Ehrlich gesagt, hätte ich mir mehr Zeit und Ruhe gewünscht. Dadurch, dass es die Produktion in ähnlicher Form und Besetzung schon einmal gab, ging man davon aus, dass man flott durch das Stück kommen würde. Aber, wie fast immer im Theater, vergisst man die Stolpersteine auf dem Weg. Umso schöner ist es, dass da ein Ensemble und ein Team neben und hinter der Bühne zusammengewachsen ist, wo man sich vertraut. Und das ist sowieso das Wichtigste.

Liebevoll, Philip Butz vorn, als Rio, und Frédéric Brossier.
Foto: Franziska Strauss

Denkst du, dass Rios Lieder heute noch (oder wieder) aktuell sind?

Na klar. Die Comfort Zonen, die wir uns hierzulande und in wirtschaftsstarken Ländern der Welt gebaut haben sind trügerisch. Das ist alles toxisch. Einer wie Rio, hat das Kind beim Namen genannt. Heute heißt es: „Not my europe!“, wenn es um die Entscheidungen gegen Geflüchtete geht und damals sang Rio im Hinblick auf menschengemachte Grenzen eben „Dieses Land ist es nicht!“. Sicher lässt sich das übertragen.

Welcher Song war die größte Herausforderung für dich?

Definitiv Jenseits von Eden. Das war zu Beginn rein atemtechnisch überhaupt nicht einfach. Und jetzt kommt’s. Es wurde mein absoluter Lieblingssong in der Produktion. Ich habe da tatsächlich das Gefühl, dass der Boden wankt. Da muss man nicht mehr viel Spielen und Performen. Dieser Puls lässt einen auf Dauer zu Boden gehen. Ich liebe das.

Was nimmst du aus deiner Zeit „als Rio“ mit?

Ganz sicher, dass ich mich weiter musikalisch ausdrücken will. Ich war einige Jahre als Sänger mit meiner damaligen Skaband unterwegs. Ich habe dieses Konzertgefühl wohl wirklich sehr vermisst. Da ging schon wieder ein Wunsch in Erfüllung. Und bei Rio stehen Text und Melodie so aussagekräftig für sich, dass man eigentlich nicht mehr viel erklären muss. So Musik will man einfach machen.

War es für euch als Ensemble überraschend, dass ein Theater wie die Komödie am Kurfürstendamm, die ja meist ein eher konservatives Publikum hat, „Mein Name ist Mensch“ aufführen wollte?

Da ich nicht fest in Berlin wohne und mich mit dem Programm der Komödie zuvor noch gar nicht auskannte, hat mich das überhaupt nicht gewundert. Aber ich habe durchaus gemerkt, dass sich da was rumgesprochen hat. Da sitzt inzwischen ein ganz gemischtes Publikum in den Rängen. Das ist doch toll.

Wenn du Rio eine Frage stellen könnest, was wäre das?

Schwer zu sagen. Auf jeden Fall bin ich sehr glücklich, dass ich auf meiner persönlichen Suche nach ihm durchaus Antworten bekommen habe. Ich bin wahrscheinlich nicht ganz so spirituell wie es die Scherben phasenweise gelebt haben, aber ich glaube schon an komplexe und nicht messbare Verbindungen. Wahrscheinlich gerade weil ich von Physik keine Ahnung habe. Und wenn man an so etwas glaubt, dann fühlt das sich ja auch schon mal so an, als hätte man miteinander gesprochen.

Wo und als wen werden wir dich als nächstes sehen?

Ich werde nach der nächsten Runde Rio im Oktober in Österreich/Vorarlberg zu sehen sein. Eine Uraufführung des Stücks „Der Puppenmacher“ von Thomas A. Welte.

Vielen Dank für das Gespräch!

König von Deutschland: Philip Butz als Rio Reiser. Links: Fabian Hentschel, rechts: Hans Gurbig.
Foto: Franziska Strauss.

Philip Butz wurde 1988 in Karlsruhe geboren und studierte Schauspiel an der Freiburger Schauspielschule. Er war unter anderem Ensemblemitglied am Westfälischen Landestheater und in den Serien ”Sturm der Liebe“ und “Kaiser! König! Karl!“ zu sehen. Mehr zu Philip Butz findet man hier: https://www.philipbutz.de/

Karten für das Musical „Mein Name ist Mensch“ gibt es hier auf den Seiten der Komödie am Kurfürstendamm.