Die Band Strommasten hat sich mit ‚Weltschmerz auf den Rio Reiser Songpreis 2021 beworben und sind damit in der Vorauswahl auf der Shortlist gelandet. Herzlichen Glückwunsch! Wir haben sie um ein Statement dazu gebeten und hier ist es:

Strommasten haben sich für den Rio Reiser Songpreis beworben, weil wir Außenseiter sind. Ein Image, das irgendwie auch auf Rio zutraf. Wir sind nicht wirklich einer richtigen Szene zuzuordnen. Zu poppig für Punk, zu verschroben für den Mainstream, aber trotzdem DIY und schon jenseits der 30. Rio hat sich laut unserem Kenntnisstand immer für Minderheiten eingesetzt. Manchmal fühlen wir uns wie eine Minderheit, wenn wir die YouTube-Views unserer Videos zählen. Unsere Pläne? Natürlich wollen wir König von Deutschland werden, auch wenn das in einer parlamentarischen Republik nicht so gerne gesehen ist. Nebenbei möchten wir, dass unsere Songs so vielen Leuten wie möglich zugänglich gemacht werden, denn Message ist wichtiger als Perfektion. Ob sie dafür bezahlen oder nicht, spielt für uns eine sekundäre Rolle.

„Nun, „Wasserwerfer“ hätte zu aggressiv geklungen“, lautet die Antwort auf die Frage, warum Strommasten Strommasten heißen. Eine Antwort, die die Gesinnung von Strommasten erahnen lässt. Der Werdegang ist schnell erzählt. Die vier Jungs schlossen sich im Jahre 2014 zusammen, um Rockmusik mit Popflair zu spielen und dabei auf altmodische Weise Modernität zu zelebrieren. Seither suchen sie nach den Nahtstellen musikalischer Popkultur und trennen diese sorgfältig auf, um sich verschiedenster Versatzstücke zu bedienen und ihren eigenen musikalischen Flickenteppich zu weben. Strommasten beobachten, nicken oder schütteln frappiert mit dem Kopf, schreiben und schnallen sich Instrumente um. Galant tingeln sie zwischen dem sterilen, kantigen Elektropop der 80er und überdrehtem Poprock der 2010er, scheuen keine Grenzüberschreitungen in punkrockige Gefilde und denken erst gar nicht daran sich stilistisch allzu sehr treu zu bleiben. Textlich legen Strommasten den erhobenen Mittelfinger in die Wunden der Gesellschaft und salzen noch ein wenig nach. Sie begeben sich ganz nahe an die Kante manch sozialen Abgrunds und schmeißen mit Steinchen. Auf mich, auf dich und auf sich gegenseitig. Manchmal passen sie dabei sogar auf, dass aus dem Spaß nicht bitterer Ernst wird. Zumindest behaupten sie das. Was Strommasten in ihren Texten auf satirische Art und Weise verpacken, ist eingängig bis tanzbar: Sei es die allgegenwärtige Koch“kultur“, die in „Diskjockey am Herd“ aufs Korn genommen wird oder die Erkenntnis, dass Anderssein letzten Endes genauso durchschnittlich ist wie alles Andere auch („Der Durchschnitt“); ein ernstgemeintes Augenzwinkern inklusive. Doch das Zwinkern könnte auch nur einer leichten Verschrobenheit geschuldetes, nervöses Augenzucken sein. Auf der EP Draußen nur Kännchen (Juli 2019) setzt die Single „Weltschmerz“ neue Maßstäbe in Punkto Songwriting und textlicher Treffsicherheit. Auch die restlichen 5 Songs demonstrieren, dass Rockmusik neben dem Tellerrand am interessantesten sein kann. Kritik und Selbstironie geben sich ein High Five nach dem anderen und wissen nach rund 21min selbst nicht mehr, ob sie nun unabhängig oder schon längst miteinander verschmolzen sind. Die aktuelle Single „Neu ist immer besser“ stellt die bisherigen Qualitäten von Strommasten perfekt zu Schau. Kantig-sterile 80er Drum- und Synthiesounds treffen auf ruckelig-nervöse Gitarren und einen Bass mit einem Schwarm Hummeln im Hintern. Dazu der typisch expressive Strommasten-Gesang, der immer mit einem Augenzwinkern daherkommt, dich in den Arm nimmt und gleichzeitig ein bisschen kneift. Angenehm unangenehm, und du lässt es zu. Nach wie vor machen Strommasten nahezu alles selbst und gehen mit dem DIY-Gedanken ausgiebig Gassi.

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