Wie seid Ihr entstanden, bzw woher kam die Idee, Rio zu covern?

Die  Idee hatte unser früherer Sänger Christian – vielleicht sogar schon ein kleines  bisschen 1988 in der Werner-Seelenbinder-Halle, als er Rio das erste Mal live sah und dabei sein musikalisches Herz verloren hatte. Er begann daraufhin selber Songs mit deutschen Texten zu schreiben. Der Erfolg blieb zwar aus, Christian wurde Schauspieler, aber das Rio-Herz blieb. So fragte er uns eines Tages, ob wir mit ihm zusammen eine Band gründen würden, die Rio und Scherben – Songs singt so wie sie gemeint waren und im Spirit eben jenes Konzertes in der Seelenbinder-Halle anno 1988. Tatsächlich fühlt es sich überhaupt nicht wie covern an, die Songs sind uns so nah, als wenn es inzwischen fast unsere wären…

Was macht für Euch Rio aus?

Wenn wir nur ein Wort frei hätten: Leidenschaft.  Das ist es was man in jedem Bereich bewundert, wonach man sich sehnt, was man auch so möchte. In der Musik, beim Texten, spielen, schwitzen, verzweifeln, sich freuen, himmelhoch schweben, im tiefsten Tal versinken. Leidenschaft ist immer gefährlich, ist immer schön, gerade im kreativen Bereich, aber Gefährlichkeit und Zerbrechlichkeit sind ja immer Merkmale der Leidenschaft und der Kreativität . Jeder wünscht sich doch, so zu leben – man übersieht aber meist die Tiefen, die das mit sich bringt. So zu leben erfordert Mut,  aber anders als so zu leben ist auch irgendwie unmöglich. Vielleicht sind das Erschaffen und Zerstören eine Art Schicksalsgemeinschaft  und sie gehören leider zusammen.

Ihr seid alle in verschiedenen Formationen unterwegs, gestaltet sich dadurch das gemeinsame Proben manchmal schwierig?

Wir proben nicht. Ehrlich! – Also, wenn wir ein neues Mitglied im KOMITEE begrüßen kann das schon mal vorkommen.  Sogar intensiv. Wir haben aber bemerkt, dass sich jeder von uns so gewissenhaft auf die Konzerte vorbereitet und musikalisch so fit ist, dass die kleinen Überraschungen, die das mitunter live mit sich bringt, uns sogar sehr willkommen sind und herausfordernd spielerisch eingearbeitet werden, das macht uns Spaß und hält alles lebendig.  Live halt.

Was war Eure lustigste/krasseste/beeindruckendste Konzert-Erfahrung?

Unser erstes Konzert war tatsächlich im Stadion. Ein Stadionkonzert als Premiere! Wer kann das schon von sich behaupten. Vielleicht hätten wir ja Chancen auf das Guinness-Buch …  aber das kam so:  unser Fußballverein FC St. Pauli war pleite und eine Idee war, dass es im Stadion ein sogenanntes „Retter“-Konzert geben sollte. Alle Bands spielen für lau (nix Neues) und die Einnahmen gehen an den Verein. So wurde eine Riesendoppelbühne gebaut und es spielten 10 Stunden lang Bands ohne Pause jeweils für eine halbe Stunde. Wir spielten auch und es war absolut herrlich, besonders für mich, der schon von klein auf zu den Spielen gegangen war und nun hörten die Spieler einem zu!  Es war zudem das lauteste KOMITEE-Konzert, wir sind so viel auf der Bühne herumgelaufen,  weil wir vor den brüllendlauten Monitoren weggelaufen sind – wir hatten Angst, dass uns das Trommelfell platzt.

Michael Rode

Was macht ein richtig tolles Konzert aus?

Wenn wir und das Publikum eins werden. Wenn es uns die Leidenschaft für Rios Songs abnimmt und eintaucht in die Musik und Texte, oft auch in die eigene Vergangenheit.  Wenn wir das lebendig machen, wie die Songs gemeint waren und das das Publikum mitnimmt. Das Tolle ist ja, dass es gar nicht retro ist, was und wie wir das machen, klar es ist Vergangenheit, es wird aber hier im Konzert zur Gegenwart.

Wieso ist Rios Musik heute noch relevant?

Siehe oben. Schaut euch doch die Gegenwart an! All das was gerade passiert. Gute Musiker sind und waren immer Propheten – Rio war einer.  Seine Texte bewegen sich auf Ebenen, die relevant bleiben, treffen Punkte, die nicht in einer Zeit verhaftet sind, obwohl sie die Zeit beschrieben haben.  Das ist Relevanz.  Unsere Erfahrung auf den Konzerten ist es, egal ob die Songs 30, 40 oder 50 Jahre alt sind, dass sich das Publikum wiederfindet.  Ereignisse von heute sich in diesen Songs immer noch spiegeln und dass daraus sogar Hoffnung entsteht.  Ein Türspalt mit Blick zu einem anderen Handeln, anderen Gedanken, neuem Mut.  Es kommen so viele Menschen nach Konzerten zu uns und erzählen uns, wie berührt sie davon sind, wie wir das machen. Und wie gut ihnen das getan hat.  Dafür macht man doch Musik! Aber danken dürfen wir vor allem Rio dafür, weil seine Musik dies immer noch bewirkt.

Wann und wo werden wir Euch als nächstes sehen?

Dort wo ihr uns einladet.  Man weiß zwar noch nicht, wann es wieder Veranstaltungen geben wird, die das Wort Konzert verdienen. Aber ladet uns prophylaktisch schon einmal ein, dann machen wir genau das, was wir hier im Interview beschrieben haben.  Und das mit Leidenschaft.

Das Interview führte Cäcilie Möbius

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